Wenn ein Kind heute in die Schule kommt stehen die Eltern vor der Wahl. Da ist die verlässliche Halbtagsschule mit Unterricht und Anwesenheitspflicht von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Wer mehr Betreuung braucht, benötigt einen Hortgutschein.
Dieser wird mit einigen Ausnahmen jedoch nur bei Berufstätigkeit beider Eltern für 2, 3 oder auch 5 Stunden ausgestellt. Das Kind geht dann in einen Hort, den die Eltern aussuchen. In den Schulferien kann das Kind dort ebenfalls sein. Daneben gibt es gebundene Ganztagsschulen, die in denen die Kinder von 8.00Uhr bis 16.00 Uhr in die Schule gehen. Eine längere Betreuung am Tag oder in den Ferien bieten die meisten dieser Schulen nicht an.
Betreuungsmittelpunkt Schule
Seit dem Jahr 2009 wird in Hamburg die Schulkindbetreuung anhand eines Eckpunktepapiers diskutiert, das eine Arbeitsgruppe der Sozial- und der Schulbehörde vorlegte. Die Horte sollten entfallen und je 25 Kinder von einem Erzieher im Klassenraum weiter betreut werden. Durch die Änderung der finanziellen und später politischen Situation wurde die Einführung verschoben, die Reform diskutiert. Erst jetzt im August 2011 haben Vertreter der Träger der Jugendhilfe (Horte) und Vertreter der Sozial- und der Schulbehörde eine Absichtserklärung unterschrieben, in der sie vereinbaren, eine Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (kurz GBS) zu gestalten. GBS soll eine Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe sein, die ein individuell auf die Schule abgestimmtes Konzept entwirft.
Nach heutigem Stand bleibt die Möglichkeit, dass Kind an einer gebundenen Ganztagsschule anzumelden. Daneben neu ist die offene Ganztagsschule mit einer erweiterten, verlässlichen Betreuung. Der Unterricht ist von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Danach folgt eine durch Jugendhilfe (Erzieher) organisierte Betreuung von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr (GBS) an der Schule. Beide Formen sollen jetzt neu zudem eine Randzeitenbetreuung ab 7.00 Uhr sowie bis 18.00 Uhr und eine Ferienbetreuung bieten. Die Gruppegröße wurde angepasst und liegt nun für Schulen im KESS1/2 Gebiet bei 1:19, für alle anderen bei 1:23. Alle Kinder sollen eine warme Mahlzeit erhalten. Dabei wird es keine Bedarfsprüfung mehr geben. Die Betreuung ist kostenfrei. Beiträge zum Essen kosten zwischen 0€ und 70€ während der Schulzeit. Die Kosten für die Ferien und die Randzeiten ab 7.00Uhr bis 18.00 Uhr lehnen sich an das alte Hortgutscheinsystem an und sollen mit dem Essen nicht mehr kosten als heute im Hortgutscheinsystem. Alle Grundschulen sollen bis 2013/14 eine GBS Betreuung anbieten. Die Betreuung muss an 5 Nachmittagen die Woche angeboten werden, die Eltern müssen das Kind für mindestens drei Nachmittage fest anmelden.
Infrastrukturkonzept offen
Doch Einiges ist noch immer ungelöst. So bleibt die Raumfrage. Schon immer fordert der Landeselternausschuss Ruheräume für die Kinder, die täglich 8 Stunden an einer Schule, an einem Ort verbringen. Eine Belastung, die schon viele Erwachsene im Arbeitsleben an die Grenze bringt. Muten wir das doch unseren Kindern nicht zu! Dabei ist ein Raumkonzept mehr als die Festlegung, welche Klasse wann in welchem Raum ist! Zum Raumkonzept gehört auch die Einbindung von den Dingen, die die Kinder sonst auch am Nachmittag machen. Dabei brauchen sie feste Bezugspersonen. Die Mittagsversorgung stellt uns vor große Probleme, wir kennen kaum gelungene Beispiele.
Erste Schulen sind im letzten Jahr gestartet. Viele unserer Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Doch statt Erfahrungen mit den Piloten zu sammeln, ließ man weitere 21 Schulen in diesem Jahr starten. Alle diese Schulen stehen ohne Erfahrungswerte da, die sie nutzen könnten. Einige Schulen sind im zweiten Jahr besser gestartet. Das zeigt, dass die Erstellung von Konzepten und die Umsetzung eine gute Planung benötigen - und Zeit. Die Umstellung darf nicht zu Lasten der Kinder gehen.
Gute Bedingungen – aber wie?
Es konnten viele Verbesserungen erzielt werden. Ob die finanziellen Mittel ausreichen, um die von uns geforderte Qualität zu erreichen, bleibt abzuwarten und zu überprüfen. Es ist uns wichtig, dass die Jugendhilfe einen großen Stellenwert in dieser Art der Betreuung erhält, damit sie dort ihre pädagogische Arbeit einbringen und weiterentwickeln kann. Wichtig ist, dass pädagogische Konzepte, Raumkonzepte und Konzepte zur Mittagsversorgung vorgelegt und umgesetzt werden. Weiterhin wollen wir, dass für diesen Bereich auch die Behörde der Jugendhilfe zuständig bleibt. Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung haben die Vertragspartner einen wichtigen Punkt gesetzt. Dennoch, es fehlt die Diskussion über Inhalte. Weder den 20.000 Kindern, die derzeit von der Betreuung am Nachmittag ausgeschlossen sind, noch den 20.000, die derzeit im System sind, ist geholfen, wenn wir schlicht den Tag in der Schule verlängern, indem wir die Möbel von links nach rechts schieben. Wir brauchen gute Bedingungen für alle Kinder und wünschen uns, dass Eltern hierbei aktiv mithelfen.
Sabine Buhk für den Landeselternausschuss für Kindertagesbetreuung
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